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Eine Studie von jungen Menschen für junge Menschen
Die Studie basiert auf einer bundesweit repräsentativen Befragung von 1.500 Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 14 und 26 Jahren sowie begleitenden Ideenwerkstätten in Wolgast und Gelsenkirchen. Der partizipative Ansatz ist zentral: Junge Menschen entwickelten die Themen, formulierten Fragen, interpretierten Ergebnisse – und präsentieren diese nun.
Die Studie zeigt deutlich: Die junge Generation fühlt sich in zentralen politischen Fragen zu wenig berücksichtigt. Das betrifft zum Beispiel die aktuelle Diskussion um die Einführung eines Wehr- oder Sozialdienstes. Die junge Generation ist gespalten: 36 % unterstützen eine Pflicht, 39 % lehnen sie ab. Für das VoiceUp!-Jugendnetzwerk ergibt sich daraus ein klares Anliegen: Junge Menschen wollen beteiligt werden.
Das Wichtigste in Kürze
Wie blicken junge Menschen auf die Gesellschaft und was fordern sie von der Politik? Die Befragung von jungen Menschen für junge Menschen zeigt:
- Junge Menschen haben ein unerfülltes Bedürfnis nach gesellschaftlichem Zusammenhalt. Knapp acht von zehn jungen Menschen (78%) brauchen gesellschaftlichen Zusammenhalt, um positiv in die Zukunft zu blicken. Jedoch haben nur 43% das Gefühl, dass unsere Gesellschaft zusammenhält. In keinem anderen Bereich liegen Bedürfnis und Realität so weit auseinander.
- Ein Drittel (33%) der jungen Menschen hat das Gefühl, gar nicht richtig zur Gesellschaft zu gehören. Besonders ausgeschlossen fühlen sich junge Menschen in finanziell prekären Lebenslagen und junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 26 Jahren. Zudem fühlen sich Männer häufiger gesellschaftlich ausgeschlossen als Frauen.
- Junge Menschen blicken unterschiedlich in die Zukunft. Vier von zehn (40%) vertrauen darauf, dass wir gemeinsam als Gesellschaft eine lebenswerte Zukunft schaffen können. Wie stark dieses Vertrauen ausgeprägt ist, hängt von individuellen Lebensumständen ab – vom Alter und Geschlecht, der finanziellen Lage bis hin zur Bildung und ob der Wohnort ländlich oder städtisch geprägt ist.
- Der Meinungsaustausch zu politischen Themen ist herausfordernd. Sechs von zehn jungen Menschen (59%) haben den Eindruck, dass die politischen Ansichten in der Gesellschaft immer weiter auseinandergehen. Knapp die Hälfte (47%) empfindet politische Diskussionen als herausfordernd. Die Gründe dafür sind vielseitig: Junge Menschen fühlen sich teilweise nicht ernst genommen – das betrifft insbesondere junge Frauen sowie junge Menschen mit niedrigem formalem Bildungsabschluss. Zudem haben einige das Gefühl, andere mit Argumenten nicht überzeugen zu können.
- Viele junge Menschen erleben Einschränkungen in ihrer Meinungsfreiheit. Nur vier von zehn (42%) fühlen sich frei, ihre politische Meinung zu äußern – unabhängig davon, mit wem sie sprechen. In der Konsequenz halten sich einige junge Menschen mit ihren Meinungen bewusst zurück. Die empfundene Meinungsfreiheit ist kontext- und themenabhängig:
kontextabhängig: Besonders im öffentlichen Raum und in den sozialen Medien fühlen sich junge Menschen eingeschränkt, ihre politische Meinung zu äußern.
themenabhängig: Vor allem bei sensiblen Themen wie dem Nahostkonflikt sowie der Migrations- und Asylpolitik empfinden viele eine Hemmung, ihre Meinung offen zu äußern. Zudem gibt ein Viertel (25%) der Befragten an, sich nicht frei zu fühlen, über ihre parteipolitischen Präferenzen zu sprechen.
- Sich politisch zu äußern und zu engagieren ist ein Sicherheitsrisiko. Knapp ein Viertel (24%) der Befragten ist schon einmal eingeschüchtert oder bedroht worden, weil sie ihre politische Meinung geäußert haben. Das betrifft insbesondere junge Menschen, die sich politisch engagieren. Von den jungen Menschen, die sich politisch stark engagieren hat ein Drittel (33%) bereits Einschüchterung oder Bedrohung erlebt, bei den jungen Menschen, die sich weniger engagieren, ist es hingegen weniger als ein Fünftel (17%).
- Die Einflussmöglichkeiten von jungen Menschen auf die Politik sind eingeschränkt. Junge Menschen nehmen ihre Einflussmöglichkeiten auf die Politik als sehr eingeschränkt wahr. Über die Hälfte (52%) der Befragten stimmt der Aussage „Leute wie ich haben sowieso keinen Einfluss auf die Politik unseres Landes“ zu. Insbesondere junge Menschen im Alter von 14 bis 18 Jahren nehmen ihre Einflussmöglichkeiten als gering wahr – von ihnen stimmen sogar 62% der Aussage zu.
- Politik ist komplex. Jeder zweite junge Mensch empfindet die Politik als kompliziert. 51% der Befragten stimmen der Aussage „Die ganze Politik ist so kompliziert, dass man gar nicht versteht, was da vorgeht“ zu. Die Mehrheit der jungen Menschen kann wichtige politische Fragen zumindest teilweise gut verstehen und einschätzen. Dennoch fühlt sich bei politischen Gesprächen knapp ein Viertel (23%) der jungen Menschen nicht in der Lage, sich aktiv zu beteiligen.
- Reformdruck beim Bildungssystem. Junge Menschen haben klare Vorstellungen davon, wie das Bildungssystem zukunftsfähig gestaltet werden sollte. Knapp vier von fünf Befragten wünschen sich mehr Praxisbezug im Unterricht, modern ausgestattete Schulen sowie eine stärkere Förderung individueller Talente und persönlicher Interessen. Zudem befürworten fast sieben von zehn, dass junge Menschen aus benachteiligten Verhältnissen gezielter unterstützt werden.
- Große soziale Ungleichheit. Die Ergebnisse der Befragung machen deutlich, dass viele junge Menschen mit sozialer Ungleichheit und finanzieller Unsicherheit konfrontiert sind. Knapp die Hälfte (47%) hat das Gefühl, ihre Familie finanziell unterstützen zu müssen. Besonders stark ausgeprägt ist dieses Empfinden bei jungen Menschen mit Migrationshintergrund sowie bei jenen ohne (angehendes) (Fach-)Abitur. Zugleich fordern mehr als drei Viertel (76%), dass alle jungen Menschen ihre Zukunft unabhängig von ihrer Herkunft gestalten können.
- Die Meinung junger Menschen zur Wehr- oder Sozialdienstpflicht ist geteilt. Die Debatte um die allgemeine Pflicht zum Wehr- oder Sozialdienst hat 2025 Fahrt aufgenommen. Auch wenn diese bislang nicht wieder eingeführt wurde, gibt es Bestrebungen der Bundesregierung, junge Menschen für den Wehrdienst zu akquirieren. Junge Menschen wurden zu dem Thema bislang nicht beteiligt. Der Aussage „Der Wehr- oder Sozialdienst soll für junge Menschen Pflicht werden“ stimmen 36% der Befragten ziemlich oder voll und ganz zu. Auf der anderen Seite stimmen einer Wehr- oder Sozialdienstpflicht 39% wenig oder gar nicht zu.