Gewählt. Gehört? Junge Perspektiven auf die Wahlergebnisse
Jugendwahlen spiegeln gesellschaftliche Entwicklungen wider
Im Mittelpunkt der Onlineveranstaltung standen die Landtagswahlen in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sowie die Ergebnisse der U16- und U18-Wahlen. Maximilian Lorenz, Referent für außerschulische politische Jugendbildung beim Deutschen Bundesjugendring, ordnete die Resultate der Jugendwahlen ein. Zwar zeigten sich teilweise deutliche Unterschiede zu den Ergebnissen der Erstwähler:innen, dennoch könnten U16- und U18-Wahlen politische Entwicklungen früh sichtbar machen. So sei auch hier eine zunehmende Enttabuisierung der AfD erkennbar. Zugleich hätten Kinder und Jugendliche, ähnlich wie Erstwähler:innen, überdurchschnittlich häufig Parteien unterstützt, die bislang nicht an der Regierung beteiligt waren.
Junge Menschen treffen reflektierte Wahlentscheidungen
Die begleitenden Befragungen zu den U16- und U18-Wahlen zeigen außerdem, dass junge Menschen sich intensiv mit Politik auseinandersetzen. „Junge Menschen sind gut informiert, sie tauschen sich in Freundeskreisen, Freizeit, Schule und Familie aus und nutzen verschiedene Quellen, nicht nur Social Media. Sie treffen also mündige Wahlentscheidungen, die zu respektieren sind“, sagte Maximilian Lorenz.
Jugendwahlen machen sichtbar, welche Themen junge Menschen beschäftigen und welche Erwartungen sie an Politik und Gesellschaft richten. Gerade weil sie keine unmittelbaren politischen Folgen haben, kommt ihnen eine besondere Bedeutung zu. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass nach den Ergebnissen der VoiceUp!-Jugendstudie immer noch viele junge Menschen das Gefühl haben, keinen Einfluss auf die Politik zu haben, wie Peggy Eckert, Expertin für Demokratiebildung bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), darlegte.
Junge Menschen haben berechtigte Sorgen
Zugleich warnte Peggy Eckert vor vereinfachenden Interpretationen der Wahlergebnisse: „Es gibt keinen pauschalen Rechtsruck der Jugend. Das ist falsch. Junge Menschen haben in allen drei Bundesländern seltener die AfD gewählt als die Gesamtbevölkerung.“
Ebenso wichtig sei die Erkenntnis, dass es nicht die jungen Menschen gibt. Ihre Lebensrealitäten, Erfahrungen und Zukunftsperspektiven unterscheiden sich erheblich und prägen politische Einstellungen auf unterschiedliche Weise. „Das müssen wir anerkennen und die Themen, die junge Menschen beschäftigen, endlich ernsthaft angehen. Junge Menschen wünschen sich eine lebenswerte Zukunft. Darauf haben sie ein Recht“, betonte Peggy Eckert.
Auch Paul Marr vom VoiceUp!-Jugendnetzwerk hob hervor, dass junge Menschen dauerhaft in politische Prozesse einbezogen werden müssen. „Es bringt nichts, wenn Parteien sich erst kurz vor der nächsten Wahl für junge Menschen interessieren und denken: Dann machen wir einen tollen TikTok-Tanz, und dann wählen die uns auch wieder. Nein! Junge Menschen sind nicht von TikTok verführt worden. Sie haben berechtigte Sorgen, und die müssen ernst genommen werden.“
Echte Beteiligung stärkt das Vertrauen in die Politik
In der Diskussion wurde deutlich: Beteiligung darf nicht bei Anhörungen oder symbolischen Formaten enden, sondern muss echte Mitgestaltung ermöglichen. Scheinbeteiligung schafft Frust und kann dazu führen, dass sich junge Menschen von politischen Prozessen abwenden. Dabei ist Beteiligung ein zentraler Baustein, um Vertrauen in Demokratie und Politik zu stärken.
Klara Lochner vom VoiceUp!-Jugendnetzwerk fasste es so zusammen: „Das Vertrauen in die Politik kann gestärkt werden, indem die Selbstwirksamkeit von jungen Menschen erhöht wird. Wenn junge Menschen merken, dass sie Einfluss auf Entscheidungen haben, können sie auch mit schwierigen Entscheidungen besser leben.“
Gemeinsam statt Gegeneinander
Junge Menschen wollen Verantwortung übernehmen und Gesellschaft aktiv mitgestalten. Dabei geht es ihnen nicht um einzelne „Jugendthemen“, wie Klara Lochner und Paul Marr unterstreichen. Vielmehr haben alle politischen Entscheidungen Auswirkungen auf junge Menschen, da sie am längsten mit deren Folgen leben werden. Trotzdem geht es jungen Menschen nicht um ein Gegeneinander der Generationen oder darum, immer nur das Beste für sich selbst durchzusetzen, sondern um ein gemeinsames Arbeiten an politischen Lösungen, die für alle tragbar sind. Dabei wünschen sie sich ein positives, aber realistisches Zukunftsbild und die Möglichkeit, dieses aktiv mitzugestalten.