Junge Stimmen für Gelsenkirchen
In der vergangenen Woche war das Team von VoiceUp! zu Gast in Gelsenkirchen. An einer Grundschule sowie einer Berufsschule fanden Ideenwerkstätten statt, bei denen Kinder und Jugendliche ihre Sichtweisen, Wünsche und Ideen einbringen konnten. Ziel war es, jungen Menschen eine Stimme zu geben und den direkten Dialog vor Ort zu fördern.
Ideenwerkstätten mit Grund- und Berufsschüler:innen
Mit dem aufsuchenden Format VoiceUp zu Gast bietet unser Programm Kindern und Jugendlichen ohne oder mit wenig bisheriger Beteiligungserfahrung die Möglichkeit, ihre Meinungen, Ideen und Anliegen zu einem Thema zu äußern und sich miteinander zu diesem Thema auszutauschen.
Mit ca. 30 Viertklässler:innen und an die 30 angehenden Berufsschülerinnen sprachen wir zum Thema „Meinungsaustausch zu gesellschaftspolitischen Themen in der Kommune“ und entwickelten Ideen, wie dieser gefördert werden kann. Bei der Frage, ob die Kinder gerne in Gelsenkirchen leben, wurde eindrücklich deutlich, dass die vielfältigen Probleme der Stadt bereits im Grundschulalter präsent sind. Gleichzeitig gab es zahlreiche konkrete und gestaltungsfreudige Ideen der Kinder, um den Missständen entgegenzuwirken.
„Ich würde gern mit dem Bürgermeister reden, damit es keine Prügelei mehr gibt und wir hier friedlich leben können. Und hier in Gelsenkirchen muss es auch ein bisschen sauberer werden und viele Spielplätze geben, damit wir mehr spielen können.“
Julian, 10
Die Berufsschüler:innen möchten sich gerne über Themen austauschen, die ihre Kommune und junge Menschen betreffen – idealerweise mit Personen, die etwas bewirken können, wie zum Beispiel der Bürgermeisterin. Oft fehlen jedoch Informationen darüber, wo dieser Austausch stattfinden kann, sowie geschützte Räume und Orte, die einen solchen Dialog ermöglichen. Die Themen, die junge Menschen besonders bewegen, sind zum Beispiel: Sauberkeit im öffentlichen Raum, mehr Sicherheit, mehr Freizeitmöglichkeiten, die nicht auf Konsum ausgerichtet sind.
„Es ist halt einfach schwierig, frei seine Meinung zu äußern, ohne dass es eskalativ wird. Für Meinungsaustausch gibt es hier eigentlich keine Orte.“
Jordan, 19
Austausch mit der Stadt: Sichtbarkeit und Zugang zu Angeboten verbessern
In einer an die Ideenwerkstätten anschließenden Austauschrunde mit den Teilnehmenden und Mitarbeitenden der Stadt Gelsenkirchen aus den Bereichen Jugendhilfeplanung und kommunale Prävention wurde die große Bedeutung des direkten Austauschs spür- und sichtbar. Außerdem floss direktes Feedback der jungen Gelsenkirchenerinnen an die Stadtgestalter:innen. Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene sind zwar da, das wissen die jungen Menschen “irgendwie”, aber sie wünschen sich eine bessere Auffindbarkeit der Möglichkeiten sowohl analog über Aushänge und Hinweise aus z. B. der Schule bis hin zu einem ansprechend gestalteten, gut strukturierten Angebot in den sozialen Medien bzw. auf Websites.
Außerdem wiesen sie im Gespräch darauf hin, dass es zu wenig kostenfreie Aktionen gibt, die allen jungen Menschen unabhängig von der finanziellen Situation die Teilnahme ermöglichen. Leider fehle es in der Stadt auch deutlich an altersdifferenziertem Angebot und ansprechend gestalteten Räumlichkeiten und Austausch über politische Themen wird dann ohne einen Ort für Gespräche durch zunehmend aggressivere Debatten immer öfter unmöglich.
„Was definitiv in meinem Kopf bleibt sind die Räume, die sich Jugendliche, junge Menschen wünschen. (Räume), die sie frei gestalten können, in denen sie sich treffen können und sich austauschen können. Einfach mal Räume für sich haben, ob draußen oder drinnen.“
Eva Kleinau, Referat Kinder, Jugend und Familien / Koordinierungsstelle Kommunale Prävention in Gelsenkirchen
Die Einladung durch VoiceUp! zum direkten Austausch vor Ort wurde von den jungen Menschen sehr begrüßt und verbreitete Inspiration und positive Energie. Gesehen und gehört zu werden ist für Kinder und Jugendliche ein klares Zeichen für echte Wertschätzung. Und die brauchen sie, um sich mutig für die Zukunft in ihrer Stadt einzusetzen.
„Direkter Austausch ist super wichtig, weil es vor allem Vertrauen in uns auslöst.“
Paul, 17
Ideen, die etwas bewegen
Die gesammelten Ergebnisse werden derzeit ausgewertet. Im Herbst 2025 ist geplant, eine schriftliche Zusammenfassung der Erkenntnisse und Forderungen an die Politiker:innen der Stadt Gelsenkirchen zu übergeben – als Impuls für eine jugendgerechtere Stadtentwicklung und stärkere Beteiligung junger Menschen.