VoiceUp! im Gespräch: Was junge Menschen vom Wählen abhält – und was sie brauchen
Junge Menschen sind engagiert, interessiert und wollen mitgestalten. Trotzdem gehen sie seltener wählen als andere Altersgruppen. Warum ist das so? Und was braucht es, damit aus politischem Interesse auch Beteiligung wird?
Darüber hat VoiceUp! am 25. August mit Dr. Jonathan M. Hoffmann von der Bertelsmann-Stiftung gesprochen. Er ist inhaltlicher Ansprechpartner und Co-Autor der Studie „Hürdenlauf zur Wahlurne“, die im Mittelpunkt der Veranstaltung stand.
Peggy Eckert, Expertin der DKJS für Demokratiebildung, hat als Moderatorin durch die Veranstaltung geführt. Johanna Okroi, Fachreferentin Empirische Sozialforschung der DKJS, hat die Studienergebnisse der Bertelsmann Stiftung in Relation zu Ergebnissen anderer Untersuchungen wie dem „Teilhabeatlas Kinder und Jugendliche“ und der „VoiceUp!-Jugendstudie“ gesetzt.
Charlotte, Paul und Fred aus dem VoiceUp!-Jugendnetzwerk kamen ebenfalls zu Wort und teilten die Perspektive und Ideen von jungen Menschen.
Hürden und demographischer Wandel
Die Studie zeigt: Für junge Menschen gibt es verschiedene Hürden auf dem Weg zur Wahlurne. Fehlende Informationen, Unsicherheiten, wie die Wahl funktioniert, oder die Frage, ob die eigene Stimme überhaupt etwas bewirken kann, können vom Wählen abhalten. Dabei gibt es auch Grund zur Zuversicht: Die Wahlbeteiligung junger Menschen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten positiv entwickelt. Gleichzeitig fühlen sich 75 Prozent der jungen Menschen nicht ausreichend gehört, wie die Studie „Young Economy Tracker – Junge Stimmen für eine gerechte Zukunft“ der Bertelsmann Stiftung darlegt.
Diese Zahlen werden noch mal brisanter, wenn sie in Zusammenhang mit dem demographischen Wandel gebracht werden wie Johanna Okroi anhand der Ergebnisse des „Teilhabeatlas Kinder und Jugendliche“ darlegte. Es gibt Regionen in Deutschland, in denen nicht mal jede fünfte Person unter 25 ist, es also nur eine sehr geringe Anzahl an jungen wahlberechtigten Einwohner:innen gibt. Wenn diese dann nicht wählen gehen, haben es Themen, die junge Menschen betreffen, besonders schwer Gehör zu finden.
Verständlichkeit, Mitbestimmung, Begegnungsorte
Was also tun? Aus Sicht des VoiceUp!-Jugendnetzwerks braucht es vor allem verständliche Informationen, echte Mitbestimmung und Räume für Begegnung – auch und gerade online. Charlotte brachte es auf den Punkt: „Das Vertrauen in Politik muss aufgebaut werden. Ich denke, dass diese drei Hebel dafür wichtig sind: Verständlichkeit, Mitbestimmung und das Schaffen von Begegnungsorten, vor allem online – weil sich Jugendliche hier informieren.“
Dabei kommt es auf echte Beteiligung an. Denn wer junge Menschen nach ihrer Meinung fragt, muss auch zeigen, was daraus folgt. „Scheinbeteiligung funktioniert nicht. Im Gegenteil, sie frustriert!“, sagt Charlotte.
Und auch für Parteien gibt es eine klare Botschaft: Der Kontakt zu jungen Menschen darf nicht erst mit dem Wahlkampf beginnen. „Politiker sollten nicht erst mit jungen Menschen ins Gespräch gehen, wenn die Wahlen vor der Tür stehen. Junge Menschen merken ganz genau, wenn sie nur ein politischer Spielball sind“, sagt Paul.
Wahlen praktisch erfahrbar machen
Junge Menschen müssen nicht erst für Politik begeistert werden, denn sie sind in vielen Fällen bereits aktiv. Jetzt geht es darum, ihnen echte Möglichkeiten zur Mitgestaltung zu geben, politische Prozesse verständlich zu machen und den Weg zur Wahlurne möglichst einfach zu gestalten.
Wie das gehen kann und junge Menschen auch kurzfristig noch zur Wahl motiviert werden können, hat VoiceUp! zum Abschluss der Veranstaltung noch mal zusammengefasst. Während Schulen Wahlen durch verschiedene Methoden praktisch erfahrbar machen können, sollten erwachsene Begleitpersonen Politik im Alltag normalisieren und Politiker:innen mit den jungen Menschen auf Augenhöhe ins Gespräch gehen.
Die zahlreichen wertvollen Fragen der knapp 100 Zuhörenden zu den Studien und Ergebnissen machten das bundesweite Interesse und die Bedeutung des Themas noch einmal deutlich.
Die ganze Publikation der Bertelsmann Stiftung finden Sie unter https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/huerdenlauf-zur-wahlurne